BABYBOOM, RÜLPSENDE PFARRER UND JETSET-YOGIS

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Schon aufgefallen, dass in Großstädten gerade Babyboom herrscht? Ja, seit den 80ern war die Geburtenrate in Deutschland nicht mehr so hoch wie heute. Alle wollen wieder Zukunft. Könnte man meinen. Gleichzeitig wurde 2016 mehr CO2 als im Vorjahr in die Luft geblasen. 

Wie wird das wohl, wenn die süßen Kleinen größer werden?

Mit Eltern, die ihren Kindern die Zukunft mit Eiter-Euter-Latte aus Coffee2Go-Bechern wegschlürfen. Mit Beef-Burgern, Fleischmix-Dönern und Undefinierbar-Bratwürsten den Boden unter den Füßen wegmampfen. Und mit ihren niemals enden wollenden Gelüsten nach Freiheit und Individualität Lüfte verpesten und Meere verseuchen?

Alle bekommen Babys, aber keiner kümmert sich darum, dass die Babys auch eine Zukunft bekommen. Was wollen wir den Kleinen erzählen, wenn sie auf dem Gerippe unseres abgenagten Planeten stehen? Es war so lecker?

Wir schimpfen über eine wahnwitzige, in den gierigen Klauen der Wirtschaft steckende Umweltpolitik, aber keiner will auf seine Salamipizza verzichten. Im Jahr 2016 haben wir pro Kopf 60 kg Fleisch verschlungen. Mehr, als in den Jahren zuvor. Wie kann das sein? Jeder Hinterwäldler weiß doch inzwischen, dass der Großteil des CO2 Ausstoßes aus der Massentierhaltung kommt. Und dass der Klimawandel real ist. Haben die Amis unser Trinkwasser mit Trump–Wahnsinn verseucht? Oder stopfen wir uns noch ein letztes Mal so richtig voll, bevor die Welt eh untergeht?

Besonders langweilig ist, dass bei Fleischverfechtern hinten immer dasselbe rauskommt: „Weil´s halt schmeckt.“ Oder „Weil mein Körper es braucht.“ Oder „Was soll man denn sonst essen?“ Können die Leute nicht googeln?

Es ist Irrsinn, aber es gibt noch immer Menschen, die Milch, Eier, Wurst und Käse täglich konsumieren, als würden sie vom Himmel in den XXL-Einkaufswagen fallen. In welchem Kindermärchen leben wir denn? Auf jeder Stirn steht doch inzwischen längst geschrieben, dass Mensch und Natur aber sowas von ausrotten, wenn wir weiterhin das Getreide, das wir selbst essen könnten, an immer fetter und trauriger werdendes Vieh verfüttern. Guckt denn jeder nur RTL anstatt in den Spiegel?

Und der größte Aberwitz folgt am Ende des Jahres, wenn es wieder so weit ist für das große Fest der Liebe, Weihnachten. Oder auch: Das größte Gemetzel des Jahres. Wir ermorden Millionen von Tieren und zerhacken Abermillionen Bäume ganz liebevoll für uns und unsere Liebsten. Weil´s Tradition ist. Eine christliche übrigens. Wie war das nochmal mit dem fünften Gebot? Du sollst nicht töten? Doch selbst der Herr Pfarrer sitzt am 24ten dickwanstig vor seinem butterweichen Gänsebraten, freut sich über ein totes Extrakeulchen mit Sauce und rülpst „Amen“.

Aber fast noch besser als den Herrn Pfarrer, der ja nun schon etwas aus der Mode gekommen ist, finde ich zeitgeistige Yogalehrer und andere spirituelle Teacher, die mit ihren ergebenen Jüngern zur Bewusstseinserweiterung in fernste Länder fliegen. Weil man sich da so schön mit sich selbst und der Natur verbinden kann. Bevor sie weg ist. Mit nem CO2 Abdruck so groß wie ein Fußballfeld, nem Plastikbecher-Smoothie in der Hand und ner ganzen Kollektion Non-Sustainable Plastik-Yogamatten unterm Arm. Namaste!

Und während die Menschenmassen ihren Frust über ein sinnfreies Dasein mit irren Konsumgelagen, die sich je nach Generation verlagern, betäuben, bunte Widdewidde-wie-sie-mir-gefällt-Scheinwelten basteln wie im Kindergarten und Egomanien hoch wie Wolkenkratzer bauen, fragt sich der ein oder andere – in dem ein oder anderen bewussten Moment:

Haben wir denn gar nicht´s verstanden?

Aber ja doch! Wir kaufen jetzt einmal im Monat „conscious“ und „sustainable“. Ein Bruchteil von dem, was dann als „unconscious“ und „non-sustainable“ gebrandet werden sollte. Aber immerhin.

Was für ein Wahnsinn.

Wir können die Welt nur retten, wenn wir endlich aufhören uns selbst zu belügen. Das große Fressen ist nun mal vorbei. Aus. Finito. Oder wollen wir unseren Kleinen, später Großen, auf die Frage, warum wir die Erde mit Haut und Haar und bis auf´s letzte Knöchelchen verschlungen haben, antworten:

Weil´s halt geschmeckt hat. Weil´s alle gemacht haben. Weil wir nix davon wussten. Weil uns unsere persönliche Freiheit wichtiger war als eure. Weil wir´s konnten.

Wir können anders. Nein, wir müssen anders.