WARUM ICH JETZT NICHT AUF EINER KOKOSINSEL YOGA UNTERRICHTE

palm-trees-sky_4460x4460.jpg

Irgendwie steht Indonesien ganz groß für Yoga, Spiritualität und erfolgreiche Ausbüchser, die das Leben in exotischeren Gefilden genießen möchten. Während „Eat, Pray, Love“ vielen Balinesen längst die Galle hochtreibt, ist der Hype um Bali – die Insel der Götter – noch lange nicht vorbei. 

68 reisten die Hippies sinnsuchend nach Goa in der Hoffnung auf Freiheit und spirituelle Entdeckungen in umwerfender Kulisse. Heute reist der Hipster sinnsuchend nach Bali in der Hoffnung auf veganes Essen und erfüllenden Yogaunterricht in umwerfender Kulisse. Wer raus will aus starren Konventionen und rein in die Sonne, früher noch altmodisch „Aussteiger“ genannt, ist heute „Digital Nomad“ oder „Globe-trotter“. So auch der Wander-Yogi*.

Für viele Yogalehrer, ob reisend oder heimisch verankert, ist es ein Traum, irgendwann im Leben irgendwo in Indonesien, am besten auf Bali, Yogaunterricht zu geben. Als ich neulich das Angebot erhielt, auf einer sehr abgelegen gelegenen, indonesischen Kokosinsel 30 Tage lang Yoga zu unterrichten, war ich zunächst tierisch begeistert. So ein Paradiesangebot fliegt mir nicht jeden Tag ins Postfach.

Als ich mit dem Anbieter dann über die Rahmenbedingungen des Jobs sprach, rückte das gar nicht so ferne Inselvergnügen leider in sehr weite Ferne. Kurz: Keine Bezahlung der Yogastunden und keine Übernahme der Reisekosten mit der Begründung, ich wäre dafür ja 30 Tage in einem Luxus-Resort mit Vollpension. 

Da ich exquisite Gaumenfreuden, Seidenlaken und ebenerdige Glasduschen zwar angenehm finde, aber nicht brauche, war ich von dem Angebot nicht so begeistert. Ich bohrte ein bisschen nach um herauszufinden, was sonst noch so ging: Ich hätte dort eventuell tauchen gehen können. Tauchen ist super. Und die abgelegene Exklusiv-Insel voller Kokospalmen und mit hauseigenem Korallenriff sicher absurd schön. Doch ich finde es nicht in Ordnung, wenn Luxus-Resorts es sich zur lästigen Gewohnheit machen, Yogalehrer nicht zu bezahlen.

Anscheinend gibt es trotz Mindestlohn genügend Yogalehrer, die willig sind alleine für Kost & Logis in schönem Ambiente zu arbeiten und dafür auch noch drauf zu zahlen.

Die Strände ein Traum, das Essen gigantisch und der Sonnenuntergang ein Muss – alles umsonst für den Yogalehrer, der ja nur ein bisschen Yoga unterrichtet. Natürlich will so ein Hotelbaron, wie jeder andere Banker** auch, Geld sparen bzw. vermehren. Und mit welchem Menschenschlag ginge das leichter als mit gutmütigen, dankbaren und reisefreudigen Yogalehrern? Wir erschaffen uns unseren eigenen Ausbeuter-Markt.

Ich bin total dafür, Yoga for free, für wenig Geld oder auf Spendenbasis zu unterrichten. Um Menschen zu helfen, zu inspirieren oder denjenigen, die sich die üblichen Yogastunden nicht leisten können, den Zugang zu ermöglichen. Oder einfach, um zu geben, ohne zu empfangen.

Doch Luxus-Resorts und teure Hotels möchte ich nicht dabei unterstützen, an Karma-Punkten zu verlieren. Yogalehrer nicht zu bezahlen, obwohl man es könnte, ist schäbig. Da toppt dann auch kein Kaviar mehr.

 

*ein von mir verwendeter Begriff für einen Yogalehrer, der um die Welt reist und dabei Yoga unterrichtet

**für mich ein Mensch, der ausschließlich mit Geld zählen beschäftigt ist